Das verletzungsfreie Reichen von Nahrung

Ein Interview mit Prof. Dr. Oliver Bendel zu Pflegerobotern wurde am 4. Januar 2021 auf der Plattform Digitales Gesundheitswesen veröffentlicht. Die erste Frage von Heiner Sieger lautete: „Was werden soziale Roboter in der digitalen Pflegewelt der Zukunft können und was nicht?“ Die Antwort des Informations- und Maschinenethikers aus Zürich war: „In manchen Bereichen traut man sozialen Robotern zu wenig zu, in anderen zu viel. Das Ausziehen und Anziehen von Pflegebedürftigen sowie das verletzungsfreie Reichen von Nahrung wird vielleicht auch 2025 nicht beherrscht. Auch das Umbetten und Aufrichten wird wohl nur zusammen mit einer Pflegekraft geleistet werden können. Andere Tätigkeiten, wie Dinge holen, aufheben und reichen, Flaschen öffnen und Patienten einsammeln, sind für Modelle wie Lio schon heute Standard.“ Das ganze Interview kann über digitales-gesundheitswesen.de/oliver-bendel/ aufgerufen werden.

Abb.: Einen Apfel zu überreichen ist für einen Roboter kein Problem

Wenn Cyborgs lieben

Ende Oktober 2020 ist das Buch „Maschinenliebe“ (Hrsg. Oliver Bendel) erschienen. Es enthält 16 Beiträge international renommierter Expertinnen und Experten. Der Beitrag „Posthumane Cyborgliebe“, der von Dr. Melike Şahinol stammt, wird im Abstract so zusammengefasst: „In diesem Beitrag werden Mensch-Maschine-Verhältnisse der spezifischen Art, nämlich die der Cyborgliebe, aus einer soziologischen Perspektive diskutiert. Das Hauptaugenmerk liegt dabei darauf, die Anpassung des menschlichen Körpers an maschinelle Angebote im sexuellen Bereich aufzuzeigen. Dabei wird die technisch ver- und übermittelte Liebespraktik mit teledildonischen Maschinen fokussiert. Entsprechend sind die Fragen danach relevant, ob es sich bei der jeweiligen Anpassung um ein symbiotisches Verhältnis zwischen Mensch und Maschine handelt und ob bzw. wann man von Cyborgliebe sprechen kann. Denn auch wenn dies noch futuristisch anmutet, werden bei der Fülle und Weiterentwicklung von liebes- bzw. sexualitätsdinglichen Angeboten posthumanistische Tendenzen deutlich, die der romantischen Liebe, auf die das Konzept der Kernfamilie als zentraler Institution der Gesellschaft aufgebaut ist, den Boden unter den Füßen wegzuziehen scheinen. Liebe, so lautet die Hauptthese, stellt im posthumanen Zeitalter keine bloß soziale, sondern eine sozio-bio-technische Beziehung dar – vor allem dann, wenn es sich um die Liebe zu und mit Maschinen handelt.“ Das Buch kann über Springer bezogen werden. Wer einen Zugang zu SpringerLink hat, kann es kostenlos herunterladen.

Abb.: Wenn Cyborgs lieben

Die digitale Ethik

„Der Begriff der digitalen Ethik (‚digital ethics‘) ist ebenso erfolgreich wie uneindeutig. Die einen verweisen damit auf einen Teilbereich der Informationsethik, die anderen – mit dem Ziel einer Neubenennung – auf die Gesamtheit dieser Bereichsethik, womöglich unter Einbeziehung der Medienethik. Wieder andere fassen darunter ein zu konstruierendes normatives System, das für die Informationsgesellschaft oder auch speziell für die Wirtschaft (nicht nur für KI-, IT- und Internetfirmen) zu gelten habe, was mit Aussagen wie ‚Wir brauchen eine digitale Ethik‘ verbunden wird. Nicht zuletzt kann die Moral der Informationsgesellschaft gemeint sein, wobei dann – wie es häufig im Englischen der Fall ist – die Begriffe von Ethik und Moral nicht scharf getrennt werden.“ Mit diesen Worten beginnt ein Beitrag von Oliver Bendel, der im Dezember 2020 im Gabler Wirtschaftslexikon erschienen ist. Es wird die Beziehung zu verschiedenen Bereichsethiken und zur Maschinenethik hergestellt, der Hintergrund (samt der Entwicklung) des Begriffs dargestellt und am Ende nochmals dessen Potenzial bzw. Problematik erläutert. Der Beitrag kann über wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/digitale-ethik-121185 aufgerufen werden.

Abb.: Auch VR kann man innerhalb der Ethik behandeln

KI, ME und MB

Die Künstliche Intelligenz (KI) hat nach Dekaden des sich abwechselnden Auf- und Abschwungs im 21. Jahrhundert eine enorme Bedeutung in Forschung und Praxis erlangt. Maschinenethik und Maschinelles Bewusstsein (Künstliches Bewusstsein) konnten zur gleichen Zeit ihre Begriffe und Methoden in die Öffentlichkeit tragen, wo sie mehr oder weniger gut verstanden wurden. Eine Grafik versucht seit 2018 die Begriffe und Zusammenhänge von Künstlicher Intelligenz, Maschinenethik und Maschinellem Bewusstsein zu klären. Sie wird ständig weiterentwickelt und dadurch präziser, aber auch komplexer. Seit Anfang 2021 liegt eine neue Version vor. In ihr wird noch deutlicher gemacht, dass die drei Disziplinen bestimmte Fähigkeiten (meist von Menschen) nicht nur abbilden, sondern auch erweitern können.

Abb.: Die Version 3.0 vom Januar 2021

 

Morality Transfer with the Help of Sliders

From 18 to 21 August 2020, the Robophilosophy conference took place. Due to the pandemic, participants could not meet in Aarhus as originally planned, but only in virtual space. Nevertheless, the conference was a complete success. At the end of the year, the conference proceedings were published by IOS Press, including the paper „The Morality Menu Project“ by Oliver Bendel. From the abstract: „The discipline of machine ethics examines, designs and produces moral machines. The artificial morality is usually pre-programmed by a manufacturer or developer. However, another approach is the more flexible morality menu (MOME). With this, owners or users replicate their own moral preferences onto a machine. A team at the FHNW implemented a MOME for MOBO (a chatbot) in 2019/2020. In this article, the author introduces the idea of the MOME, presents the MOBO-MOME project and discusses advantages and disadvantages of such an approach. It turns out that a morality menu could be a valuable extension for certain moral machines.“ The book can be ordered on the publisher’s website. An author’s copy is available here.

Fig.: Morality transfer with the help of sliders

Culturally Sustainable Social Robotics

The book „Culturally Sustainable Social Robotics“ (eds. Marco Nørskov, Johanna Seibt, and Oliver Santiago Quick) was published in December 2020 by IOS Press. From the publisher’s information: „Robophilosophy conferences have been the world’s largest venues for humanities research in and on social robotics. The book at hand presents the proceedings of Robophilosophy Conference 2020: Culturally Sustainable Social Robotics, the fourth event in the international, biennial Robophilosophy Conference Series, which brought together close to 400 participants from 29 countries. The speakers of the conference, whose contributions are collected in this volume, were invited to offer concrete proposals for how the Humanities can help to shape a future where social robotics is guided by the goals of enhancing socio-cultural values rather than by utility alone. The book is divided into 3 parts; Abstracts of Plenaries, which contains 6 plenary sessions; Session Papers, with 44 papers under 8 thematic categories; and Workshops, containing 25 items on 5 selected topics.“ (Website IOS Press) Contributors include Robert Sparrow, Alan Winfield, Aimee van Wynsberghe, John Danaher, Johanna Seibt, Marco Nørskov, Peter Remmers, John P. Sullins, and Oliver Bendel.

Fig.: Culturally Sustainable Social Robotics

Chatbots als Artefakte der Maschinenethik

Ende 2020 ist das „Handbuch Digitale Wirtschaft“ (Hrsg.: Tobias Kollmann) in gedruckter Form erschienen. Laut Website von Springer liefert es die theoretischen Grundlagen und praxisbezogenen Implikationen für die digitale Transformation unserer Wirtschaft, unserer Produktion und Kundenbeziehungen. „Renommierte Autorinnen und Autoren aus Wissenschaft und Praxis behandeln die Themen des Einkaufs-, Verkaufs-, Handels-, Kontakt- und Kooperationsmanagements auf Basis elektronischer Netzwerke. Dabei werden die Grundbausteine Systeme, Prozesse, Management, Marketing und Implementierung sowie weitere Spezialthemen und -anwendungsfelder für das Digital Management erklärt.“ (Information von Springer) Der Beitrag „Von Cor@ bis Mitsuku: Chatbots in der Kundenkommunikation und im Unterhaltungsbereich“ von Oliver Bendel war bereits im April 2019 in elektronischer Form erschienen. In einem Kapitel werden „Chatbots als Artefakte der Maschinenethik“ behandelt, konkret der GOODBOT und der BESTBOT. Der Beitrag ist – wie z.B. auch „Arbeiten 4.0: Virtuelle Arbeitsplätze“ von Rahild Neuburger, „E-Health“ von Thomas Lux oder „Connected Car“ von Torsten J. Gerpott – verfügbar bei Springer und auf SpringerLink.

Abb.: Der BESTBOT

Der Deutschlandfunk zur Maschinenliebe

Der Deutschlandfunk widmete sich in seiner Sendung „Aus Kultur- und Sozialwissenschaften“ vom 18. Dezember 2020 dem Buch „Maschinenliebe“ … Zu Wort kamen die Autorinnen und Autoren Heinz-Jürgen Voß, Tanja Kubes, Ayanda Rogge und Leonie Weber sowie der Autor und Herausgeber Oliver Bendel. Zudem wurde der Sexualwissenschaftler Christoph Joseph Ahlers befragt. Das Resultat war ein informativer, spannender Beitrag, der die Chancen und Risiken einer Entwicklung beleuchtete. Kommen in den Bordellen und Haushalten heute vor allem Liebespuppen vor, stehen bei den chinesischen und amerikanischen Unternehmen schon Sexroboter wie Harmony bereit. Diese haben mimische und natürlichsprachliche Fähigkeiten und sind sehr lebensecht gestaltet. Oliver Bendel lobte diese natürlichsprachlichen Fähigkeiten der kalifornischen bzw. texanischen Roboterfrau, betonte aber auch, dass man bei ihr wie bei allen anderen Maschinen im Grunde gegen eine Wand spricht, in diesem Fall gegen eine gesprächige Wand. Der Beitrag von Mirko Smiljanić kann über www.deutschlandfunk.de/aus-kultur-und-sozialwissenschaften.1147.de.html aufgerufen werden.

Abb.: Der Deutschlandfunk zur Maschinenliebe

Artificial Love

Ayanda Rogge ist Doktorandin bei Prof. Dr. Sven Engesser und Prof. Dr. Oliver Bendel. Sie arbeitet seit Herbst 2019 als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Medien und Kommunikation der TU Dresden. Ihre Forschungsschwerpunkte sind post- und transhumanistische Entwicklungen wie emotional intelligente Maschinen und Mensch-Roboter-Interaktion – mit besonderem Fokus auf die Gestaltung von Mensch-Maschine-Kommunikation und anthropomorphem Framing. In ihrer Dissertation untersucht sie Kommunikationskomponenten, die zu einer höheren Interaktionsrate zwischen Mensch und Maschine in sozialen Kontexten führen. Dabei untersucht sie auch Liebespuppen mit erweiterten Funktionen und eigentliche Sexroboter. Für das Buch „Maschinenliebe“ (Hrsg. Oliver Bendel) hat sie gleich zwei Beiträge verfasst, einen mit einer Marktübersicht und einen mit einer psychologischen Studie mit Blick auf diverse Anwendungsgebiete. In der Sonntagszeitung vom 13. Dezember 2020 gibt sie Auskunft zu ihrer Forschung und Einschätzungen zu Problemgebieten. In einem Infokasten wird auch der genannte Band erwähnt, der Ende Oktober 2020 herausgekommen ist und über Springer bezogen werden kann. Der Artikel kann ab dem 20. Dezember 2020 kostenlos als PDF heruntergeladen werden.

Abb.: Artificial love

Metamorphosen

Ende Oktober 2020 ist das Buch „Maschinenliebe“ (Hrsg. Oliver Bendel) erschienen. Es enthält 16 Beiträge international renommierter Expertinnen und Experten. Der Beitrag „Trans-Formers“, der vom Herausgeber stammt, wird im Abstract so zusammengefasst: „Als Trans-Formers werden hier Sexroboter, Liebespuppen oder „Spielfiguren“ bezeichnet, die unterschiedliche Gestalt annehmen können. Sie vollziehen Metamorphosen, wie Ovid sie in seinem Werk mit diesem Titel beschrieben hat, je nach Geschmack und Laune des Besitzers oder Benutzers oder je nach den Bedürfnissen unterschiedlicher Menschen. Die Trans-Formers wechseln ihr Geschlecht, werden vom Mann zur Frau oder von der Frau zum Mann, oder sie treten als Transgender bzw. intersexuelle Person auf. Auch Verwandlungen anderer Art sind denkbar, in Tiere, Monster, Aliens, Fantasyfiguren und in abstrakte und dingliche Formen. Der Beitrag beleuchtet die technischen Anforderungen und Möglichkeiten, geht auf gegenwärtig vorhandene Modelle und Ansätze ein und diskutiert Chancen und Risiken der Umsetzung einer solchen Idee. Trans-Formers können eine Bereicherung für die Sexualität sein, stellen aber das Menschenbild in Frage und verändern das Menschsein auf eine Weise, die noch kaum beurteilt werden kann.“ Das Buch kann über Springer bezogen werden. Wer einen Zugang zu SpringerLink hat, kann es kostenlos herunterladen.

Abb.: Metamorphosen

Sexroboter aus Sicht der Maschinenethik

Das Buch „Maschinenliebe“ (Hrsg. Oliver Bendel) enthält 16 Beiträge international renommierter Expertinnen und Experten. Der Beitrag „Liebespuppen und Sexroboter in der Moral“, der vom Herausgeber stammt, wird im Abstract so zusammengefasst: „Dieser Beitrag klärt zunächst die Begriffe der Sexroboter und der Liebespuppen. Dann stellt er aus der Perspektive der Maschinenethik spezifische Fragen und beantwortet sie vorläufig. Anschließend werden die Bereichsethiken einbezogen, um die Implikationen für den Menschen, für Anbieter, Vermittler und Benutzer, herauszuarbeiten. Es folgen Gedankenexperimente, mit denen philosophische und speziell ethische Fragen aufgeworfen und vertieft werden. Am Ende fasst der Autor die Ergebnisse zusammen. Maschinenethik kann aus seiner Sicht helfen, Sexroboter und Liebespuppen mit besonderen Fähigkeiten zu konstruieren, die moralische Maschinen in ihrem Aussehen und Verhalten sind und die es einigen Menschen ermöglichen, ihre sexuellen Aktivitäten zu ergänzen und ein erfülltes Leben zu führen. Die Ergebnisse der klassischen Bereichsethiken können im Hinblick auf den adäquaten Einsatz von Sexrobotern hilfreich sein und weisen auf die Chancen wie auf die Risiken hin. Gedankenexperimente erlauben neue Einsichten und sind Ausgangspunkt für empirische Untersuchungen.“ Das Buch kann über Springer bezogen werden. Wer einen Zugang zu SpringerLink hat, kann es kostenlos herunterladen.

Abb.: Liebespuppen und Sexroboter in der Moral

Von LADYBIRD zu HAPPY HEDGEHOG

„Mähdrescher, die für Rehkitze bremsen. Rasenmäher, die Igel verschonen. Selbstgesteuerte Autos, die keine Tiere überfahren. Das klingt zuerst wie Science-Fiction. Doch bereits heute sind erstaunliche Dinge möglich! Mehr darüber berichtet der Ethiker und Technologie-Experte Prof. Dr. Oliver Bendel (FHNW) in seinem Vortrag. Und geht dabei auch auf neue Roboter ein, die er selbst mitentwickelt hat.“ (Website AnimalRights) Mit diesen Worten wird von AnimalRights ein Vortrag angekündigt, der am Mittwoch, 16. Dezember 2020 von 19:00 bis 20:00 Uhr über Zoom stattfindet. Das Ziel von AnimalRights Switzerland ist laut eigener Aussage, dass wirksame Tierrechte in der Schweiz eingeführt werden. „Damit die Rechte auf Leben und Unversehrtheit eingeführt werden können, muss zuerst die gesellschaftliche Entwicklung weg von der Tiernutzung weitergehen. Immer weniger Menschen möchten unnötiges Tierleid unterstützen – hier setzen wir an. Animal Rights Switzerland wirbt deshalb für einen tierfreundlichen Lebensstil und informiert über Tierrechte.“ (Website AnimalRights) Weitere Informationen über animal-rights-switzerland.ch/vortrag-tierfreundliche-maschinen/.

Abb.: Igel sollten auf den Straßen und auf dem Rasen verschont werden