Über den Einsatz von Pflegerobotern

„Noch ist nicht ausgemacht, wohin, fest aber steht: Im Zuge der Digitalisierung verschieben sich Grenzen.“ So beginnt die Einführung von Andreas Vierecke in der neuen Ausgabe der Blätter der Wohlfahrtspflege (1/2019). „Was … zunächst einmal ansteht, ist die Notwendigkeit, uns in irgendeiner Weise zu den mit der Digitalisierung unabweisbar einhergehenden Herausforderungen zu verhalten und eine Strategie für die eigene Organisation zu entwickeln.“ (BdW 1/2019) Identifiziert werden müssen die konkreten Technologien, die konkreten Anwendungsfelder und die konkreten Herausforderungen. Das Spektrum ist breit, von einfachen Warnsystemen bis hin zu komplexen Robotern. „Über ethische Aspekte des Einsatzes von Pflegerobotern … hat sich Oliver Bendel Gedanken gemacht, von denen er in diesem Heft einige mit uns teilt.“ (BdW 1/2019) Weitere Informationen über www.nomos-elibrary.de/10.5771/0340-8574-2019-1/bdw-blaetter-der-wohlfahrtspflege-jahrgang-166-2019-heft-1.

Abb.: Eine menschliche Hand wird gereicht

Podcast zur Maschinenethik

„Perspektiven“ ist eine Gesprächsreihe zu Themen der Wirtschaftsinformatik, die Perspektiven auf Forschung und Entwicklung, Studium und Lehre und Einblicke in die Praxis behandelt. Unterstützt wird sie durch den Fachbereich Wirtschaftsinformatik der Gesellschaft für Informatik. „Wirtschaftsinformatik ist eine Wissenschaft, die Informationssysteme, ihre Gestaltung und Nutzung in organisatorischen Handlungssystemen untersucht … und damit vielschichtige Bezüge zu anderen Wissenschaften aufweist: Dabei ist nicht nur an die Informatik und Betriebswirtschaftslehre zu denken, sondern auch an die Ingenieurwissenschaften, die Soziologie und die Philosophie, insbesondere die Sprachphilosophie.“ (Website Perspektiven) In den Gesprächen dieser Reihe unterhält sich Stefan Strecker mit seinen Gästen „über ihre Perspektiven auf Themenfelder und Fragestellungen der Wirtschaftsinformatik und Bezüge zu angrenzenden Wissenschaften“ (Website Perspektiven). Am 12. Februar 2019 ist der Podcast mit Oliver Bendel zur Maschinenethik erschienen. Er kann über perspektivenpodcast.podigee.io/12-maschinenethik-gesprach-mit-oliver-bendel aufgerufen werden.

Abb.: Mikrofone warten auf die Aufnahme

Kriegsroboter und Maschinenethik

Im „Handbuch Maschinenethik“, seit 2016 von Prof. Dr. Oliver Bendel herausgegeben, ist der 17. Beitrag erschienen, mit dem Titel „Autonome Waffensysteme/Kriegsroboter“. Autorin ist Prof. Dr. Catrin Misselhorn. Aus dem Abstract: „Kriegsroboter sind der kontroverseste Anwendungsbereich der Maschinenethik. Viele namhafte Vertreter der KI-Forschung und prominente Wissenschaftler fordern sogar ein Verbot letaler autonomer Waffensysteme. Dieser Beitrag setzt sich mit dem Versuch auseinander, autonome Waffensysteme im Rahmen der Maschinenethik mit einem Ethikmodul auszustatten. Die moralischen Grundprinzipien leiten sich aus dem Völkerrecht ab, welches auf der traditionellen Theorie des gerechten Kriegs beruht. Argumente zugunsten von Kriegsrobotern mit einem Ethikmodul werden ebenso behandelt wie die Kritik daran. Die drei wichtigsten Gegenargumente betreffen das Entstehen einer Verantwortungslücke, den Wert der Möglichkeit, anders zu handeln, sowie die Annahme einer Pflicht zu töten, welche der Einsatz autonomer Waffensysteme voraussetzt. Zum Schluss wird kurz auf mögliche Parallelen zum autonomen Fahren eingegangen.“ Die nächsten fünf Beiträge, u.a. von Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin, Prof. Dr. Dr. Eric Hilgendorf und Prof. Dr. Armin Grunwald, erscheinen in den nächsten Wochen. Dann kommt die gedruckte Ausgabe auf den Markt. Alle bisherigen Beiträge sind über link.springer.com/referencework/10.1007/978-3-658-17484-2 verfügbar.

Abb.: Eine fremdartige Waffe

Towards a Proxy Morality

Machine ethics produces moral and immoral machines. The morality is usually fixed, e.g. by programmed meta-rules and rules. The machine is thus capable of certain actions, not others. However, another approach is the morality menu (MOME for short). With this, the owner or user transfers his or her own morality onto the machine. The machine behaves in the same way as he or she would behave, in detail. Together with his teams, Prof. Dr. Oliver Bendel developed several artifacts of machine ethics at his university from 2013 to 2018. For one of them, he designed a morality menu that has not yet been implemented. Another concept exists for a virtual assistant that can make reservations and orders for its owner more or less independently. In the article „The Morality Menu“ the author introduces the idea of the morality menu in the context of two concrete machines. Then he discusses advantages and disadvantages and presents possibilities for improvement. A morality menu can be a valuable extension for certain moral machines. You can download the article here.

Fig.: A proxy machine

Roboterphilosophie bei den Freidenkern

„Die Freidenker-Vereinigung der Schweiz setzt sich für die Anliegen der Konfessionsfreien ein. Sie tritt ein für die Trennung von Staat und Kirche und für eine weltlich-humanistische Ethik, in der die Menschenrechte eine zentrale Rolle einnehmen. Und sie vertritt ein wissenschaftlich plausibles Weltbild.“ (Website Freidenker Schweiz) Eingeladen haben die Freidenkenden Mittelland den Roboterphilosophen und Freidenker Oliver Bendel aus Zürich. Er spricht am 11. Februar 2019 im Jugendstilsaal des Atrium-Hotels Blume in Baden zum Thema „Der Roboter entdeckt die Philosophie“. Er wird die Zuhörer laut Programm auf eine Reise mitnehmen. „Bei einer Station geht er der Frage nach, ob Roboter Rechte haben oder haben werden.“ Einer solchen Frage widmet sich traditionell die Roboterethik. Bendel ist der Meinung, dass Roboter und KI-Systeme bis auf weiteres keine Rechte haben und haben sollten. Bei einer nächsten – nun geht es um Maschinenethik – „wird er darstellen, wie man Entwickler und ihre Geschöpfe für die Philosophie gewinnt und wie man Roboterautos, Serviceroboter und Chatbots zu moralischen und unmoralischen Maschinen machen kann“ (Programm). Der Flyer zur Veranstaltung kann hier heruntergeladen werden.

Abb.: Das Zeichen für Atheismus

Das Moralmenü (MOME)

Die Maschinenethik bringt moralische und unmoralische Maschinen hervor. Die maschinelle Moral ist in der Regel festgelegt; es sind bestimmte Aktionen möglich, andere nicht. Ein alternativer Ansatz ist das Moralmenü. Über dieses überträgt der Besitzer oder Benutzer seine eigene Moral auf die Maschine. Diese agiert und reagiert so, wie er dies auch tun würde. Die Vorteile und Nachteile werden in dem Beitrag „Das Moralmenü: Moralische Maschinen mit einer Stellvertretermoral“ von Oliver Bendel diskutiert, veröffentlicht am 27. Januar 2019 in Telepolis. Telepolis, gegründet 1996, widmet sich seit Jahren immer wieder Roboterethik und Maschinenethik. Bei Heise Medien ist 2016 auch „Die Moral in der Maschine: Beiträge zu Roboter- und Maschinenethik“ von Oliver Bendel erschienen. Der Beitrag kann über www.heise.de/tp/features/Das-Moralmenue-4285297.html abgerufen werden.

Abb.: Soll der Saugroboter mit den Katzen spielen?

Politik informiert sich über Pflegeroboter

Im Deutschen Bundestag widmet man sich am 20. Februar 2019 den Chancen und Risiken von Pflegerobotern. Robotikerin Dr. Birgit Graf spricht über „Potenziale und Grenzen der Robotik für die Pflege – Stand der Technik und Anwendung, Herausforderungen für Forschung und Entwicklung“, Pflegewissenschaftler Prof. Dr. Manfred Hülsken-Giesler nimmt eine „Einordnung und Bewertung aus Sicht der Pflegewissenschaft“ vor. „Ethisch-normative Herausforderungen der Pflegerobotik“ ist der Titel des Vortrags von Prof. Dr. Oliver Bendel, Informations- und Maschinenethiker. Daneben gibt es Kommentare aus der Perspektive der Technikfolgenabschätzung (Dr. Bettina-Johanna Krings, KIT/ITAS), der Forschungsförderung (Christine Weiß, VDI/VDE-IT), der Pflegeträger (Alexander Huhn, Caritas-Zentrum Garmisch-Partenkirchen) und der Pflegekräfte (Peter Tackenberg, Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK)). Die Einführung wird Dr. Christoph Kehl vom Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) halten. Das Programm kann hier heruntergeladen werden.

Abb.: Das Brandenburger Tor

Der rote Kaugummiautomat deutscher Dörfer

„Automaten gibt es seit tausenden Jahren, von den dampfbetriebenen Altären der Antike über die Androiden im Spätbarock (Musikerin, Schreiber und Zeichner) bis hin zu modernen Maschinen.“ So beginnt ein Beitrag von Oliver Bendel für das Gabler Wirtschaftslexikon. Es werden mehrere Beispiele gegeben: „Automaten verrichten selbstständig eine bestimmte Tätigkeit, etwa das Zubereiten und Ausgeben von Kaffee (Kaffeeautomat), das Auswerfen von Zigaretten (Zigarettenautomat) oder das Anzeigen der Zeit (Uhr). Manche sind rein mechanisch, wie der rote Kaugummiautomat deutscher Dörfer und Städte, andere elektronisch und vernetzt.“ Und Abgrenzungen – wie zu Robotern – vorgenommen. Am Ende kommt die Ethik zu Wort: „Wirtschafts-, Technik- und Informationsethik widmen sich den Herausforderungen, die sich durch Automaten und Automation ergeben, sei es in Bezug auf die Ersetzung von Mitarbeitenden, sei es in Bezug auf die Möglichkeit der Gefährdung, Verletzung und Überwachung. Die genannten Bereichsethiken betrachten ebenso den Beitrag von Automaten und Automation zu einem guten Leben, nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass Arbeit idealisiert und ideologisiert wird.“ Der Beitrag ist im Januar 2019 erschienen und kann über wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/automat-119939 aufgerufen werden.

Abb.: Ein roter Kaugummiautomat

Podcast zur Maschinenethik

In seinem Vortrag „Die Entdeckung der Philosophie – ethische Dimensionen der Robotik“ am 9. Januar 2019 im Haus Huth am Potsdamer Platz in Berlin erklärte Prof. Dr. Oliver Bendel, wie man Roboterautos, Serviceroboter und Chatbots zu moralischen oder zu unmoralischen Maschinen machen kann. Der Vortrag fand vor vollbesetztem Haus statt und rief lebhafte Diskussionen hervor. Bei der Daimler und Benz Stiftung, die die Reihe verantwortet, ist nun ein Podcast zum Vortrag erschienen. Er kann hier abgerufen werden. Zur Vortragsreihe heißt es auf der Website: „Am Potsdamer Platz in Berlin lädt die Daimler und Benz Stiftung regelmäßig zur akademischen Debatte, die die rhetorische Form pflegt. So ist das inhaltliche Portfolio dieser offenen Veranstaltungsreihe im historischen Haus Huth weit gefächert: In Plädoyers, Lamenti, Antithesen oder anderen Formaten vertreten Wissenschaftler engagiert ihren Standpunkt und begründen ihn mit den Erkenntnissen ihrer Forschung.“ (Website Daimler und Benz Stiftung)

Über moralische und unmoralische Maschinen

„Moralische Maschinen sind mehr oder weniger autonome Systeme, die über moralische Fähigkeiten verfügen. Entwickelt werden sie von der Maschinenethik, einer Gestaltungsdisziplin im spezifischen Sinne. ‚Maschinelle Moral‘ ist ein Terminus technicus wie ‚künstliche Intelligenz‘. Man spielt auf ein Setting an, das Menschen haben, und man will Komponenten davon imitieren bzw. simulieren. So kann man etwa moralische Regeln adaptieren. Moralische und unmoralische Maschinen sind nicht gut oder böse, sie haben keinen freien Willen und kein Bewusstsein, keine Intuition und keine Empathie.“ So beginnt ein neuer Beitrag von Oliver Bendel im Gabler Wirtschaftslexikon. Es werden mehrere Beispiele für moralische Maschinen genannt, etwa spezifische Pflegeroboter und spezifische Chatbots. Am Ende heißt es: „Gerade bei komplexen moralischen Maschinen, die über Leben und Tod befinden sollen, ist Vorsicht angezeigt. Das autonome Auto könnte Menschen quantifizieren und qualifizieren, aber es gibt gute Gründe gegen den Versuch, ihm dies beizubringen.“ Der Beitrag ist Ende Januar 2019 erschienen und kann über wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/moralische-maschinen-119940 aufgerufen werden.

Abb.: Autos sollten nicht über Leben und Tod von Menschen entscheiden